Heute beginne ich die Reihe von einer Geschichte, die ich vor rund 10 Jahren geschrieben habe. Es ist eine Geschichte, die in einer düsteren Zeit spielt und von etwas berichtet, was so unglaublich ist, dass selbst der Protagonist lange an seinem Verstand zweifelt.

Die Geschichte war damals eine Eingebung, der ich gefolgt bin (erinnerst Du Dich noch an den roten Busch, über den ich letzte Woche gesprochen habe? ;)) Der Stil ist ganz anders, als ich normalerweise schreibe, zum einen, weil es aus der ICH Perspektive erzählt wird und zum anderen, weil die Wortwahl deutlich anders ist, als ich (damals wie heute) sonst schreibe. Trotzdem erkennt man die Magie -meine Magie! – die in ihr fließt.

Trotzdem gefällt mir die Geschichte und ich hoffe, Du, mein lieber Leser, hast viel Freude damit. Sie wird jeden Monat fortgesetzt, ist also ein Fortsetzungsroman 🙂
Ich freue mich, von Dir zu hören, wie sie Dir gefällt.

Viel Spaß und lass Dich verzaubern.
Alles Liebe,

Die Weltensegler Teil I

Es mag manchem unwirklich erscheinen, aber was ich hier berichte ist wahr und ebenso geschehen, wie ich es niederschreibe. Mag auch meine Erinnerung von vielen Wünschen verklärt sein, so gebe ich nur wieder, was sich vor vielen Jahren tatsächlich zugetragen hat, so wie ich es im Gedächtnis verwahrt habe über all diese Zeit.
Manche Menschen sprechen vom Schicksal, wenn sie ihrem Lebensmenschen begegnen, andere von Zufall, doch in einem sind sich fast alle einig: es musste so kommen, wie es gekommen ist.

Vor vielen Jahren also, als ich noch ein junger Mann war, unentschlossen durch die Welt irrte, nach meiner Bestimmung und meiner großen Liebe suchend, jedoch nicht wusste, wonach ich genau Ausschau hielt, spielte mir das Schicksal einen Schlüssel zu, von dem kaum jemand weiß, dass es ihn jemals gab.
Es war das Jahr 1935. Europa war im Wandel, und die Zeit hatte den Menschen übel mitgespielt. Nach dem Krieg waren ganze Landstriche entvölkert gewesen, und in den Städten tummelten sich Menschen aller Alters- und Gesellschaftsklassen, um Brot und Arbeit zu finden. Nur wenige hatten die Wirren des großen Krieges unbeschadet überstanden. Es war eine trostlose Zeit, geprägt von Angst und Neid, von Hunger und Elend.
Und dann waren die 20er Jahre gekommen, mit übertrieben fröhlichen Parties, verschwenderischem Luxus, wo man ihn sich leisten konnte, und willigen Frauen, die in der Hoffnung, das große Los zu ziehen, mit jedem gut aussehenden Mann mitgingen, und nur allzu oft Monate später Kindesmordes wegen verurteilt wurden. Aber diese herrliche Phase, wie es manche oft mit mildem Lächeln nannten, hielt nicht lange an. Die Wirtschaft hatte sich nie erholt, die Menschen litten immer noch Hunger und wussten oft nicht, wie sie das Nötigste beschaffen sollten, so es überhaupt zu finden war.

Meine Familie aber hatte großes Glück in all dem Unglück. Da meine Eltern weise genug waren, ihr Geld vor dem Krieg in der Schweiz auf einem geheimen Konto zu lagern, mangelte es uns nicht an finanziellen Mitteln. Natürlich halfen wir auch anderen Familien, so gut es in unserer Macht stand. Dem Krieg und den Krisen zum Trotz stand meine Familie der Dunkelheit des Zerfalls strahlend gegenüber.
Als in den 30er Jahren Bürgerkrieg und Putsch Einzug hielten, bemerkte ich davon nicht viel, denn ich war privilegiert und durfte an einem edlen Internat weit weg von all dem Chaos unterrichtet werden. Nachdem meine schulische Laufbahn beendet war, schrieb ich mich in Berlin auf der Universität ein. Aber Berlin sollte nicht lange meine Heimat bleiben.

Damals, 1935, war ich ein Student der Physik, ich reiste durch die Hauptstädte Europas, um an den verschiedenen Universitäten den berühmtesten Gastdozenten zu lauschen. Wie ich es mir leisten konnte? Nun, ich vergaß zu erwähnen, dass ich das einzige Kind meiner Eltern war. Eltern, die uraltem Adel entstammten und mir nie einen Wunsch verwehrten.
Außerdem waren wir mit faktisch ganz Europa verwandt, und so fand sich in London, Paris, Amsterdam und Zürich eine alte Großtante, die mich für die Dauer meines Aufenthalts verköstigte und mir von den Besonderheiten der jeweiligen Stadt berichten konnte. Auf Grund meiner Abstammung wurde ich oft schief angesehen. Immer noch grollte man den Deutschen und Österreichern und so waren meine Aufenthalte vermutlich nicht so angenehm, wie sie hätten sein können.
Es war eine wirre Zeit, und mich zog es nach langem, ausschweifendem Reisen und vielen guten Zeugnissen und Arbeiten, wieder in die Heimat, genauer gesagt nach Berlin, wo ich einst mein Studium begann und ein Wissenschaftler der Physik gerade in diesen Zeiten viel Zuwendung finden konnte. Zuwendung im Sinne von Geld und Liebschaften, damit da keine Zweifel aufkommen.
Ich bewarb mich an den großen Instituten für kleineren Forschungsarbeiten, doch nirgends sprach mich die Aufgabe, welche mir zugeteilt werden sollte, wirklich an. Vielleicht ertrug ich deswegen keine Arbeit länger als eine Woche, wenn überhaupt, ehe ich mich wieder den vielen Liebschaften zuwandte, die mir nicht nur mein Name sondern auch mein gutes Aussehen eintrugen.

Schließlich wurde mein Vater wütend, er schrieb mir einen erbosten Brief, denn zum Anreisen hatte er keine Zeit: „Johann Albert Sibelius, ich bin von dir über alle Maßen enttäuscht. Nach all den Jahren auf Studienreisen wäre es meines Erachtens nach an der Zeit, dass du dich endlich dem wahren Leben stellst, eine Stellung annimmst, sesshaft wirst und dem Namen deiner Familie Ehre bereitest. Deine Mutter hat einen alten Bekannten in Berlin, welcher Doktor der Physik ist und besondere Forschungen in einem abgeschiedenen Labor vornimmt. Sie hat ein gutes Wort für dich eingelegt, und ich rate dir mit allem guten Willen, welchen ich dir entgegenbringen kann, diese Stellung nicht auszuschlagen. Denn von uns wirst du nur mehr deine Unterkunft erhalten, für alles Weitere sollst du fortan selbst aufkommen. Mach uns stolz. Deine Eltern.“
Soweit so gut, dachte ich also, und machte mich in diese Brunnenstrasse auf, welche etwas außerhalb der Stadt gelegen war, und fand dort rasch das Haus mit der Nummer 23. Es war eine Villa, etwas heruntergewirtschaftet, aber noch prächtig, mit weitläufigen Ländereien und einem hohen Zaun, welcher mit einer Hecke verwachsen war, und neugierigen Blicken keinen Zutritt gewährte. Ich läutete, und noch ehe ich mich umsehen konnte, führte mich ein seltsamer, nervöser älterer Mann in die Empfangshalle, schloss die Tür hinter mir und eilte mit den flackernden Kerzen auf einem antiken Kerzenleuchter, dem einzigen Lichtspender in diesen Hallen, davon. Einige Türen knarrten und ich hörte das leise Piepsen einer verirrten Ratte, ehe das Licht wiederkehrte, diesmal in der Hand eines wohlgenährten Herren, welcher wohl an die 50 Lenze zählte. Sein Haar war ergraut und seine Augen zitterten nervös als er mir die Hand gab und sich als Doktor Ebenstein vorstellte, der Bekannte meiner Mutter.
„Söhnchen, ich habe mich schon gefragt, wann Sie kommen“, meinte er hektisch, versuchte aber freundlich zu lächeln, was ihm nicht gelang, da seine Zähne in einem grauenhaftem Zustand waren und sein aufgedunsenes Gesicht noch erschreckender wirken ließen.
„Ich habe Sie sehnsüchtig erwartet. Ihre Mutter meinte, Sie wären ein kleines Genie. Nun, wir werden bald sehen, wie viel Genie in Ihnen steckt.“
Er wandte sich um und deutete mir, ihm zu folgen, doch ich blieb stehen. „Warten Sie bitte, bevor ich mich ihnen anschließe, würde mich doch interessieren, welchen Forschungen Sie hier nachgehen? Ich will nicht eitel erscheinen, doch bin ich manchen Gebieten der Physik weniger zugetan als anderen“, sagte ich in ruhigem Tonfall und versuchte, meine Arroganz dabei zu verbergen.
Dr. Ebenstein lächelte noch breiter, was mich erneut erschauern ließ.
„Mein Junge, ich war dereinst genau wie Sie, unentschlossen und skeptisch. Bis ich dies gefunden habe, was auch in Ihnen gewiss Neugierde aufkommen lassen wird“, erklärte er mit einem seltsamen Unterton, den ich nicht wirklich deuten konnte.
Ich seufzte, denn ich mochte es nicht, meinem Gegenüber, selbst wenn es ein erfahrener Forscher war, alle Informationen mühsam entlocken zu müssen. „Und was ist das, was Sie umdenken ließ?“, fragte ich nun deutlich ungeduldiger und missgestimmt.
Dr. Ebenstein grinste nun hämisch, und mir lief erneut ein eiskalter Schauer über den Rücken. Das Licht der Kerzen huschte beängstigend um sein Gesicht und ließen ihn wie der Leibhaftige erscheinen. Mit einem diabolischen Lächelnd erwiderte er mit Genugtuung:„Die Weltensegler.“

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