So, Ihr Lieben… Hier kommt die Fortsetzung der Weltensegler 🙂

Lasst mich doch wissen, wie es Euch gefallen hat.

Alles Liebe,

 

Ich holte einmal tief Luft, und versuchte nicht zu gereizt zu antworten. „Die Weltensegler.“ Wiederholte ich so sachlich wie möglich. Dr. Ebenstein nickte. „Und was genau sollen gewöhnliche Segler, die um die Welt fahren, mit Physik zu tun haben?“

„Das ist schwierig zu erklären, aber ich möchte es Ihnen gerne zeigen. Danach können Sie immer noch entscheiden, ob Sie bleiben möchten oder nicht. Aber ich sage Ihnen jetzt schon, gewöhnliche Segler sind mit Weltenseglern nicht gemeint.“

Ich nickte trotzig, und folgte ihm schließlich doch in jenen finsteren, schmalen Gang, der neben der Treppe vorbei führte. An den Wänden hingen unheimliche Bilder, die mehr verstaubt waren als ihr Alter gezeigt hätte. Es waren Gemälde von Menschen, vermutlich Verwandte des Doktors, doch sicher war ich mir nicht. Nur kurz fiel der Schein des Lichtes auf diese Gesichter, und noch viel kürzer warf ich einen Blick auf sie. Ich wollte mich später nicht daran erinnern.

Der Gang war länger, als ich erwartet hätte, denn von außen sah das Haus zwar groß aus, aber gewiss nicht dermaßen gigantisch, wie der Weg nun auf mich wirkte.

Gespenstischer Gang

Schließlich erreichten wir eine Tür, welche eine Treppe in den Keller verbarg. Wie aus einem schlechten Horrorschmöker war dieses Haus entsprungen, und erfüllte jedes Klischee, das man sich aus diesem Literaturgenre aussuchen konnte. Alleine das zuckende Licht eines Blitzes in einer stürmischen Gewitternacht fehlte, um das Bild abzurunden.

Und als hätte ich es geahnt, wartete im Labor ein buckliger Gehilfe, mit einem grauenhaft verformten Gesicht, auf die Rückkehr des Professors. Ich hielt Ausschau nach einem Tisch mit Hand- und Fußfesseln, und darauf, betäubt und das Versuchsobjekt dieser beiden „Wissenschaftler“ zu werden, doch nichts geschah.

Der Professor stellte den Kerzenleuchter ab, und blies die Kerzen aus. Es war im Labor hell genug. Dann deutete er seinem Gehilfen, und dieser brachte rasch einen weiteren Stuhl zu einem groĂźen Holztisch, auf dem bereits drei Gedecke lagen, und duftendes Essen stand. Da meine Eltern mir jegliche finanzielle Zuwendung gestrichen hatten, nahm ich seine Einladung zum Essen dankend an.

Als wir Platz genommen hatten, lief der Assistent – Igor, wie ihn Dr. Ebenstein genannt hatte, wobei ich mir ein Lachen heftig verkneifen musste – wirr um den Tisch herum, reicht mal dem Doktor mal mir Gewürze und schenkte Wein ein, ehe er sich selbst niederließ und wortlos zu essen begann.

Ich musste ihn einige Zeit lang fasziniert beobachtet haben, denn der Doktor sagte schließlich zu mir: „Igor ist nicht von hier. Seine Familie ist nach dem Krieg nach Deutschland gekommen. Es war für ihn schwer, eine Stellung zu finden, da er ein Krüppel ist. Ich habe ihn aufgenommen, und vieles gelehrt. Auch ist er ein guter Diener, denn er kann weder lesen noch sprechen, und somit keine Geheimnisse verraten.“
Ich nickte, doch eigentlich interessierten mich die Worte des Doktors nicht. Ich genoss das gebratene Fleisch und den Wein. Entweder verdiente der Doktor – womit auch immer – gut, oder er war aus einer wohlhabenden Familie entsprungen, Fleisch und Wein dieser Güte waren auch für teures Geld nur schwer zu bekommen.

Nachdem das Mahl beendet war, räumte Igor die Teller ab, und verließ das Labor schließlich leise. Der Doktor war inzwischen an einen brunnenförmigen Schacht getreten, und wartete einige Augenblicke nach Igors Abschied, ehe er das Wort erhob.
“Nun, die Weltensegler. Sie meinten, es wären normale Segler, welche die Welt umschiffen, habe ich Recht? Und Sie fragten mich, inwiefern dies mit Physik zu tun habe. Nun, ehrlich gesagt, nichts.“

Ich rollte innerlich meine Augen. Worauf wollte dieser Doktor nur hinaus?

„Es handelt sich hier aber nicht um gewöhnliche Segler, wie ich Ihnen schon sagte. Es hat ehrlich gesagt überhaupt nichts mit Segeln an sich zu tun. Der Name ist eine Erfindung von mir. Aber ich will Sie nicht länger mit diesen Fakten langweilen. Ich möchte Sie nur bitten, einen Blick in diesen Schacht zu werfen. Dann werden Sie es verstehen.“

Mir war ein wenig mulmig bei dem Gedanken, an den Schacht zu treten, und hineinzusehen, während mich der Doktor ohne Zeugen hätte töten können. Doch andererseits hatte ich nichts zu verlieren, mein Tod würde ans Licht kommen, dessen war ich mir sicher.
Also trat ich an den Schacht heran, und blickte in die tiefe Dunkelheit eines prall gefĂĽllten Brunnens.
“Und was soll ich sehen?“ fragte ich, bereits gereizter, denn ich konnte meinen Missmut nicht mehr wirklich verbergen.

„Warten Sie einen Augenblick, und es wird sich Ihnen offenbaren.“

Wieder rollte ich innerlich mit den Augen, und blickte weiter in den schwarzen Hals des Brunnens. Es dauerte nicht lange, da erstrahlte das Wasser plötzlich abwechselnd in hellstem Blau und grellem Weiß, und schließlich musste ich meine Augen bedecken, denn das Licht war zu stark.

„Sehen Sie hinein!“ rief der Doktor, und drehte mich wieder dem Brunnen zu, als ich wegsehen wollte.

Widerwillig öffnete ich die Augen, und anstatt des Schmerzes durch das Licht, welchen ich erwartet hatte, bot sich mir ein seltsames Schauspiel im Brunnen.
Im Zentrum hatte sich ein Zyklon gebildet, der nun von einem Ring aus Licht umrandet wurde, während das Wasser in der Mitte des Zyklons düster blieb. Als würden sich Wolken wegschieben, lichtete sich die Dunkelheit, und ich erblickte, was der Doktor gemeint hat. Ich muss wohl so überrascht gewesen sein, dass ich schrie, denn ich hörte meine Stimme, während ich meine Augen weit aufriss.

 

Hier geht es übrigens zu Teil I 🙂

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