Verliert unser Erzähler den Verstand? Oder findet er etwas über die Weltensegler heraus? Und wie wird er mit dem Doktor klarkommen? Finde es heraus!

Alles Liebe,

Ich las den ganzen Abend und die gesamte Nacht in den Notizbüchern, die teils vom alten Doktor, teils vom „jungen“ Doktor, also meinem Arbeitgeber, verfasst worden waren. Darin waren Tagebücher der Reisen in andere Welten als auch so manche Notiz über das „Segeln“, wie sie die Reise dorthin nannten, an sich enthalten.
So hatte der alte Doktor die Quelle dereinst einem verarmten Grafen abgekauft, und war mitsamt seiner Familie in dieses Haus gezogen. Es scheint, als wäre der Brunnen in irgendwelchen alten Büchern erwähnt worden, und er hatte sein halbes Leben damit verbracht, ihn zu finden. Wie er es schaffte, die finanziellen Mitteln für den Kauf aufzubringen, war mir immer noch ein Rätsel.

Jedenfalls beobachtete er vorerst nur die anderen Welten, die sich in dem Brunnen bemerkbar machten, bis er entdeckte, wie er in sie hinein segeln konnte. Den Begriff segeln hatte – anders als Dr. Ebenstein mir gesagt hatte – bereits der alte Doktor verwendet, da der Übertritt in die Welten einer frischen Meeresbrise glich, welche die Segel des Schiffes aufblähte und so vorantrieb. Er erklärte allerlei Dinge von denen er nichts Genaues wusste, wie etwa die Verschiebung der Zeiten in den Welten, und notierte in seinem Tagebuch eine Reise in die prähistorische Vergangenheit unserer Welt oder in das dunkle Mittelalter. Es schien, als wären diese Zeiten genau so, wie die Wissenschaft es heute vermutete. Eben wegen dieser Zeitsprünge war er anfangs nicht sicher, ob der Brunnen nicht eher eine Zeitmaschine war als eine Möglichkeit, in Parallelwelten zu gelangen.
Irgendwann war er allerdings zu der Erkenntnis gekommen, dass er auch in Welten gelangen konnte, die unserer bis aufs Haar glichen, und doch anders waren. So gab es in einer Welt keinerlei Elektrizität, da es niemals einen Benjamin Franklin gab, der damit Experimente machte, denn – wie der Doktor herausfand – war er in den Wirren der Amerikanischen Revolution ums Leben gekommen.
Deswegen beschrieb er das Erlebte in allen Einzelheiten, und wie er sich anfangs fürchtete, was in einer besuchten Welt geschehen würde, wenn er ein Dinosaurierei entwendete, und was in unserer Welt passieren würde, wenn es schlüpfte.
Der jüngere Doktor beschrieb eine Reise ins tiefe Mittelalter als seine erste, und erklärte, wie gefährlich es gewesen war, das richtige Zeichen zur rechten Zeit zu erkennen, um umzukehren.
Auch wurden Mysterien unserer Zeit näher erklärt, denn die Doktoren schienen es sich zur Aufgabe zu machen herauszufinden, was es mit den Pyramiden oder Stonehenge wirklich auf sich hatte.Der jüngere Doktor etwa war nach Stonehenge gereist um zu erfahren, wieso es gebaut wurde und vor allem, wie es möglich war, diese Konstruktion zu bewältigen. Er berichtete, dass Stonehenge dereinst auch eine Quelle besaß, und eines der Tore in eine andere Welt war. Er wäre beim Bau dabei gewesen, und fand eine Wasserstelle vor, die von den Kelten als heilig angebetet wurde. Heute ist davon jedoch nichts mehr zu sehen, vermutlich, weil sie von den Druiden zerstört wurde, da sie eine zu große Gefahr darin sahen.

Ich las von einem Moment, als ein anderer Weltensegler durch dieses Portal unsere Welt betrat, und erfuhr, dass die Doktoren einige Welten mehr als einmal besucht hatten, jedoch feststellten, dass viele Leute, die sie beim ersten Mal getroffen hatten, sich nun nicht mehr an sie erinnerten.
Während ich so las, aß ich eine Fleischpastete, welche mir der Doktor einpacken hatte lassen. Er bestand darauf mich mit der Nahrung zu versorgen, welche er teilweise aus Welten mitbrachte, die unserer Zeit voraus waren, und in denen Lebensmittel nicht unerschwinglich oder einfach ausverkauft waren.
Ich fand ein Foto, wie ich es noch nie gesehen hatte in den Tagebüchern. Es stellte den jüngeren Doktor und einen anderen Mann, der wie ein Wissenschaftler gekleidet war, dar. Doch waren die Farben bunt und klar erkennbar, das Bild wirkte bewegt und nicht so steif, wie die Portraitfotos, die ich kannte. Und das Papier war von eigener Beschaffenheit, ich hatte so etwas noch nie gefühlt. Zweifelsohne stammte dieses Bild aus einer Welt, die unserer weit voraus war.
Als der Morgen dämmerte, machte ich mich auf den Weg zum Labor. Ich war kaum müde, empfand nur eine aufgeregte Angespanntheit über das, was mich beim Übertritt des Doktors in die andere Welt erwarten würde.
Ich hatte nur gelesen, wie man es schaffte, zwischen den Welten zu wählen, also nicht per Zufall in eine hineinzusegeln, doch wie es einem gelang, den Übertritt zu bewältigen, konnte ich in den Notizbüchern nicht herauslesen
Darum war ich auch ein wenig skeptisch, ob all das wirklich stattfinden würde, oder ob es sich dabei nur um einen großen Betrug des Doktors handelte, um Regierungsgelder zu erhalten, und ob er in den Brunnen sprang, nur um dann mit schallendem Gelächter und klatschnass wieder herauszukommen, und mir zu erklären, dass es ihm Spaß bereitet hätte, mir einen Bären aufzubinden. Auf die Erklärung, wie er mir diese Bilder im Brunnen hatte erscheinen lassen, war ich dennoch gespannt. Das alleine wäre die letzten Tage wert gewesen.

Wie dem auch sei, ich würde es bald wissen. Denn ich erreichte bereits die Villa, während in meinem Kopf alle möglichen Erklärungen auftauchten, die ich sofort wieder als unwahrscheinlich verwarf. Ja, aus der Neugierde waren binnen weniger Minuten Zweifel geworden, ob das alles real war oder einfach nur gut gefälschte Beweise.
Der bucklige Igor öffnete mir die Tür, und ich trat ein. Er beäugte mich skeptisch, und deutete mir mit einem Murren, mich zu beeilen. Ich lief den engen, dunklen Gang entlang. Obwohl ich ihn noch nicht so oft durchschritten hatte, so war er mir bereits irgendwie vertraut. Mein Herz schlug schneller als das Hufgetrappel eines Rennpferdes, und ich konnte meine Neugierde kaum noch zügeln, doch die Tür schien so weit entfernt zu sein, als wäre sie selbst in einer anderen Welt versunken.
Noch ehe ich sie erreichte, wurde sie von Innen geöffnet, und der Doktor trat heraus. „Ah, da sind Sie ja endlich. Wo bleiben Sie denn so lange?“, fragte er mich verärgert.
Ich warf einen Blick auf meine Uhr. Es war kurz nach sieben Uhr und ich wusste nicht, ob der Doktor nun sieben Uhr oder acht Uhr gesagt hatte. Dann warf auch der Doktor einen Blick auf seine Uhr, und sein Blick wurde freundlicher.
“Oh, entschuldigen Sie, ich bin es gewohnt, dass Physiker unpünktliche Menschen sind, und habe über der Arbeit die Zeit nicht beachtet. Nun, umso besser, dass sie schon so früh hier sind. Dann will ich Sie nicht länger im Ungewissen belassen. Sie haben sich die Notizen durchgelesen, nehme ich an?“
Ich nickte, und mein Puls war nun fast hörbar. Ich fragte mich, wann der Doktor nach dem ungewöhnlichen Pochen, das aus meiner Richtung kam, fragen würde. Doch er wandte sich um und betrat die Treppen zum Labor. Knarrend übertönten sie nun meinen Herzschlag, der sich immer noch nicht beruhigen wollte.
Ich legte die Notizbücher auf den Tisch neben dem Brunnen, und wollte einen Blick in den dunklen Schacht des Brunnens werfen, doch der Doktor hielt mich zurück. „Öffnen Sie das Tor nicht, ehe ich Ihnen nicht alles erklärt habe“, sagte er mit einem derart warnenden Tonfall, dass mir fast schwindelig wurde.
Er hastete zu seinem Schreibtisch, öffnete die verschlossene Schublade und entnahm eine alte Taschenuhr. Sie musste gute 200 Jahre alt sein, doch für mich schien sie sonst kaum materiellen Wert zu haben. Aber der Doktor streichelte zärtlich über die Gravur auf der Rückseite, als wäre diese Uhr das wertvollste Stück dieser Welt.

„Kommen Sie, Junge, sehen Sie sich das an“, flüsterte er freundlich und bedachte mich mit einem seltsam warmen Blick.
Ich machte einen Schritt auf ihn zu und er hielt mir die Uhr vor Augen. Ein seltsames Muster zierte den Deckel der Uhr und als ich sie öffnete, war darin kein Ziffernblatt, sondern ein weiteres Muster, das einem Kompass ähnelte. Fragend sah ich den Doktor an.

 

Teil 3 verpasst? Du findest ihn hier

Willst du einen magischen, inspirierenden Advent?

Erhalte jeden Adventsonntag einen von 5 Teilen einer exklusiven, weihnachtlichen Geschichte, zauberhafte Inspirationen um eine magische Zeit zu erleben und eine weihnachtliche Buchempfehlung.

Achtung: Es gab in letzter Zeit Probleme mit der Anmeldung! Wenn Du keine Bestätigungsemail bekommst, melde Dich bitter unter magicbox@bepfeiffer.com

Deine magische Reise beginnt in Kürze!